Robert Harris: Vaterland

Robert Harris: Vaterland

Eine alternativweltgeschichtliche audiovisuelle szenische Lesung

Premiere: 20. April 2015, Moritzbastei Leipzig


 

Eine Was-wäre-passiert-wenn-Geschichte, die einen Kriminalfall vor der Kulisse eines fiktiven Dritten Reiches spielen lässt, das den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat und nun Europa dominiert. Eine Negativ-Utopie, ein schmaler Grat der gespenstischen Darstellung des Alltags in einem Nachkriegs-Siegerdeutschland und der bedrückenden Atmosphäre Berlins im Jahr 1964.

Ein Berlin nach den Plänen von Albert Speer, mit der Großen Halle, der Siegesallee und dem Triumphbogen: Monumental, seelenlos, menschenverachtend. Die Menschen, die hier leben, wirken buchstäblich erdrückt von ihrer totalitären Welt. Eine finstere Vision, beklemmend und beunruhigend. Vor diesem Hintergrund lehnt sich ein einziger Mann auf und gefährdet schließlich das ganze System.

Ein Gedankenexperiment über Zivilcourage und das eigene Gewissen vor brillant konstruierter, monströser Kulisse, dessen Protagonist einen in seinem konsequenten Verhalten frappierend an einen Edward Snowden denken lässt. Mit der Erweiterung der Fiktion des gelernten Historikers Harris durch historisch korrekte Dokumente, Personen und Berichte aus dem Dritten Reich regt der Abend zur intensiven Auseinandersetzung an.

Visuell werden Spuren nationalsozialistischer Architektur in Leipzig ausfindig und deutlich gemacht: Siedlungsbauten, Kriegsproduktionsstätten, Bunker. Artefakte, denn Leipzig war nicht Teil eines Reichsprogramms, welches  Präsentationsbauten vorsah. Manch nationalsozialistischer Architekturplan fand aber auch nach dem Ende der Diktatur noch seine Umsetzung in Formensprache und Material.

 

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